Opferfest in Mali: „Das hat mein Herz jünger gemacht“

Der folgende Artikel ist am 24.10.2015 auf DTJ-Online erschienen:

Bernd und Mehmet über ihre Eindrücke in Mali

Opferfest in Mali: „Das hat mein Herz jünger gemacht“

Mehmet Can und Bernd Schöneberg waren über das Opferfest in Mali und haben Fleisch an Bedürftige verteilt. Sie haben aber auch einiges mit zurück nach Deutschland genommen. Was, darüber haben sie mit DTJ gesprochen.

Von Ismail Kul

Aus der Frühzeit der Gastarbeiter sind Geschichten überliefert, wonach so mancher zum Opferfest das Tier in der heimischen Badewanne geschlachtet haben soll. Ob das zutrifft kann aus heutiger Sicht nicht beantwortet werden. Auch wenn es zutreffen sollte, diese Zeiten sind definitiv vorbei.

Ursprung des Opferfestes

Das Opferfest ist das höchste islamische Fest und geht nach muslimischem Verständnis auf den Propheten Abraham zurück. Abraham bekam keine Kinder und bat Gott um einen Nachfolger. Dafür gelobte er, das Kind als Zeichen seiner Dankbarkeit und Ergebenheit Gott zu opfern. So bekam er seinen Sohn Ismail.

Als Ismail alt genug war, nahm er ihn mit, um ihn zu opfern. Im letzten Moment jedoch stieg ein Engel vom Himmel herab und gab Abraham einen Bock, den er anstelle seines Sohnes opferte. Deshalb schlachten Muslime zum Opferfest bis heute Tiere. Längst sind aber nicht mehr alle Muslime – man kann sogar sagen die wenigsten – in traditionellen Milieus beheimatet. Vielen erlaubt es ihr Alltag deshalb nicht, selber Tiere zu opfern.

Geld geben statt selber zu schlachten

Stattdessen geben viele einen Geldbetrag für Hilfsorganisationen und lassen in anderen Weltgegenden für sich schlachten. So kommen sie einer religiösen Pflicht nach und tun gleichzeitig etwas Gutes für andere Menschen. Zu diesem Zweck gehen auch viele in andere Weltgegenden, lernen dabei andere Menschen und Kulturen kennen.

Zu ihnen gehören auch Bernd und Mehmet aus Berlin-Spandau. Bernd Schöneberg, gelernter Maschinenbauer und Informatiker und Mehmet Can, studierter Nachrichtentechniker und Fahrlehrer, haben mit der Hilfsorganisation Time to Help dieses Jahr nach Mali in Westafrika gereist. Sie blieben dort sechs Tage und haben Fleisch verteilt; dabei aber auch Land und Leute gesehen, mit Menschen geredet. DTJ hat mit den beiden über ihre Erfahrungen gesprochen.

Mali ist ein Binnenstaat in Westafrika. Der ehemalige französische Kolonie, die 1960 in die Unabhängigkeit entlassen wurde, ist mit seinen 1,24 Millionen Quadratkilometern fast vier Mal so groß wie Deutschland, beherbergt aber mit seinen 14,5 Millionen Einwohnern weniger Menschen als das Land Nordrhein-Westfalen. Das Land ist der drittgrößte Goldproduzent Afrikas.

Erster Eindruck von Mali

Was war der erste Eindruck, den Bernd und Mehmet von dem Land hatten? Beide übereinstimmend: „Zu warm und zu arm. Alles ein bisschen chaotisch. Aber es funktioniert.“ Mehmet stellt fest: „Was auch auffällt: In dem Land gibt es fast keine Mittelschicht. Es gibt sehr Reiche, das sind allerdings sehr wenige, und sehr viele sehr Arme.“ Bernd Schöneberg fügt aber hinzu: „Was mir am ersten Tag aufgefallen ist: Die Leute waren, obwohl sie sehr arm waren, sehr sauber und freundlich. Sie hatten auch so einen Stolz, wo ich mir sagte, davon bräuchten wir mehr in Deutschland. Sie haben ein Selbstbewusstsein und eine innere Ehre.“ Auf die Frage, ob ihre Armut sie denn auch unglücklicher mache, antwortet Bernd Schöneberger: „Sie sind ärmer, aber nicht unglücklicher. Ich würde fast sagen, sie sind glücklicher. Sie möchten zwar auch dies und jenes, aber unglücklicher als wir in Deutschland waren sie nicht.“

Und was wollten sie von den Besuchern aus Europa wissen? Mehmet Can: „Die Standardfrage war: Wie finden sie Bamako, wie finden sie Mali?“

Französische Rentner in Mali

Bernd Schöneberg und Mehmet Can erzählen, dass die Malier Europa schon kennen. Die offizielle Sprache ist Französisch. Die Funktion des Französischen für das Land erklärt Mehmet so: „Französisch ist die Sprache der ehemaligen Kolonialmacht. Aber sie ist zugleich das bindende Element für das Land. Es gibt zwar auch Regionalsprachen. Aber mit denen kann sich ein Bewohner des Südens mit einem Bewohner des Nordens untereinander nicht verständigen.“

Auf die angesichts der Flüchtlinge naheliegende Frage, ob sie nach Europa wollten, antworten beide: „Nein. Das haben wir nicht beobachtet.“ Die Bindung zu Frankreich ist aber nicht abgebrochen, es ist immer noch das Verbindungsland zu Europa. Auch viele Franzosen, die in Rente gehen, würden in Mali Eigentum kaufen und dort einen Teil des Jahres verbringen. Mehmet beobachtet: „Wir haben Franzosen gesehen, die dort mit Autos mit örtlichem Kennzeichen unterwegs waren. Das Land ist auch ein sicheres Land. Wenn es Streit gibt, so lodert er wie Feuer auf, legt sich dann aber schnell wieder.“

Über 35.000 Fleischtüten verteilt

Die beiden waren dort im Auftrag der Hilfsorganisation Time to Help. Die Hilfsorganisation, die 2006 gegründet wurde und ihre Deutschlandzentrale in Offenbach am Main hat, gehört zum Umfeld der Hizmet-Bewegung. Die Hilfsorganisation betreibt Projekte in den meisten Ländern Afrikas südlich der Sahara. Diese reichen von Not- und Katastrophenhilfen zu Kurban-Kampagnen, von Katarakt-Operationen zu Sauberes-Wasser-Projekten, von Waisen- und Bildungsprojekten zu Spendenprojekten.

Die beiden haben im Auftrag der Hilfsorganisation 20 Rinder schlachten lassen, die von 140 Spendern finanziert wurden, und das Fleisch in Tüten von je zwei bis drei Kilo verteilt. In der Region wurden auf diese Art laut ihren Angaben insgesamt 35000 Tüten verteilt. Fleisch ist für die meisten Malier ein rares und wertvolles Gut. Mehmet Can dazu: „Ich kenne es aus der Türkei. Dort wirft man die Innereien oder den Schädel des Tieres weg. In Mali aber haben sie alles verwertet. Es wurde von den Tieren überhaupt nichts weggeworfen. Eine Frau sagte mir sogar, dass man mit dem Schädel zwei Wochen lang Suppe kochen könne.“

Was wir in Mali gelernt haben

Diese Erfahrung, zu helfen, mache auch einen selber glücklich, meinen beide übereinstimmend. Bernd Schöneberg erzählt: „Zu geben ohne etwas zu nehmen oder zu erwarten ist schon eine sehr wertvolle Erfahrung. Sie freuten sich. Das ist eine Erfahrung, die mein Herz jünger gemacht hat.“

Und was haben sie dort gelernt? Was nehmen sie von dort nach Hause mit? Was sie dort gelernt haben, fasst Bernd Schöneberg so zusammen: „Die Wirkung bei mir war: Ich war zufrieden mit dem, was ich habe. Ich brauche nicht mehr. Sie haben nicht viel gehabt. Aber sie waren sehr gastfreundlich. Wenn wir eingeladen waren, haben sie alle mit uns geteilt. Das hat mein Herz bewegt. Auch miteinander haben sie viel geteilt. Eine Familie hatte einen Röhrenfernseher, die halbe Straße saß dann da und hat zusammen Fernsehen geschaut.“

Bernd möchte im nächsten Jahr wieder nach Mali fliegen, falls sich die Gelegenheit ergibt. Bei solchen Reisen gäbe man etwas ab, nehme aber auch sehr wertvolle Lebenserfahrung mit.

Aus der Frühzeit der Gastarbeiter sind Geschichten überliefert, wonach so mancher zum Opferfest das Tier in der heimischen Badewanne geschlachtet haben soll. Ob das zutrifft kann aus heutiger Sicht nicht beantwortet werden. Auch wenn es zutreffen sollte, diese Zeiten sind definitiv vorbei.

Ursprung des Opferfestes

Das Opferfest ist das höchste islamische Fest und geht nach muslimischem Verständnis auf den Propheten Abraham zurück. Abraham bekam keine Kinder und bat Gott um einen Nachfolger. Dafür gelobte er, das Kind als Zeichen seiner Dankbarkeit und Ergebenheit Gott zu opfern. So bekam er seinen Sohn Ismail.

Als Ismail alt genug war, nahm er ihn mit, um ihn zu opfern. Im letzten Moment jedoch stieg ein Engel vom Himmel herab und gab Abraham einen Bock, den er anstelle seines Sohnes opferte. Deshalb schlachten Muslime zum Opferfest bis heute Tiere. Längst sind aber nicht mehr alle Muslime – man kann sogar sagen die wenigsten – in traditionellen Milieus beheimatet. Vielen erlaubt es ihr Alltag deshalb nicht, selber Tiere zu opfern.

Geld geben statt selber zu schlachten

Stattdessen geben viele einen Geldbetrag für Hilfsorganisationen und lassen in anderen Weltgegenden für sich schlachten. So kommen sie einer religiösen Pflicht nach und tun gleichzeitig etwas Gutes für andere Menschen. Zu diesem Zweck gehen auch viele in andere Weltgegenden, lernen dabei andere Menschen und Kulturen kennen.

Zu ihnen gehören auch Bernd und Mehmet aus Berlin-Spandau. Bernd Schöneberg, gelernter Maschinenbauer und Informatiker und Mehmet Can, studierter Nachrichtentechniker und Fahrlehrer, haben mit der Hilfsorganisation Time to Help dieses Jahr nach Mali in Westafrika gereist. Sie blieben dort sechs Tage und haben Fleisch verteilt; dabei aber auch Land und Leute gesehen, mit Menschen geredet. DTJ hat mit den beiden über ihre Erfahrungen gesprochen.

Mali ist ein Binnenstaat in Westafrika. Der ehemalige französische Kolonie, die 1960 in die Unabhängigkeit entlassen wurde, ist mit seinen 1,24 Millionen Quadratkilometern fast vier Mal so groß wie Deutschland, beherbergt aber mit seinen 14,5 Millionen Einwohnern weniger Menschen als das Land Nordrhein-Westfalen. Das Land ist der drittgrößte Goldproduzent Afrikas.

Erster Eindruck von Mali

Was war der erste Eindruck, den Bernd und Mehmet von dem Land hatten? Beide übereinstimmend: „Zu warm und zu arm. Alles ein bisschen chaotisch. Aber es funktioniert.“ Mehmet stellt fest: „Was auch auffällt: In dem Land gibt es fast keine Mittelschicht. Es gibt sehr Reiche, das sind allerdings sehr wenige, und sehr viele sehr Arme.“ Bernd Schöneberg fügt aber hinzu: „Was mir am ersten Tag aufgefallen ist: Die Leute waren, obwohl sie sehr arm waren, sehr sauber und freundlich. Sie hatten auch so einen Stolz, wo ich mir sagte, davon bräuchten wir mehr in Deutschland. Sie haben ein Selbstbewusstsein und eine innere Ehre.“ Auf die Frage, ob ihre Armut sie denn auch unglücklicher mache, antwortet Bernd Schöneberger: „Sie sind ärmer, aber nicht unglücklicher. Ich würde fast sagen, sie sind glücklicher. Sie möchten zwar auch dies und jenes, aber unglücklicher als wir in Deutschland waren sie nicht.“

Und was wollten sie von den Besuchern aus Europa wissen? Mehmet Can: „Die Standardfrage war: Wie finden sie Bamako, wie finden sie Mali?“

Französische Rentner in Mali

Bernd Schöneberg und Mehmet Can erzählen, dass die Malier Europa schon kennen. Die offizielle Sprache ist Französisch. Die Funktion des Französischen für das Land erklärt Mehmet so: „Französisch ist die Sprache der ehemaligen Kolonialmacht. Aber sie ist zugleich das bindende Element für das Land. Es gibt zwar auch Regionalsprachen. Aber mit denen kann sich ein Bewohner des Südens mit einem Bewohner des Nordens untereinander nicht verständigen.“

Auf die angesichts der Flüchtlinge naheliegende Frage, ob sie nach Europa wollten, antworten beide: „Nein. Das haben wir nicht beobachtet.“ Die Bindung zu Frankreich ist aber nicht abgebrochen, es ist immer noch das Verbindungsland zu Europa. Auch viele Franzosen, die in Rente gehen, würden in Mali Eigentum kaufen und dort einen Teil des Jahres verbringen. Mehmet beobachtet: „Wir haben Franzosen gesehen, die dort mit Autos mit örtlichem Kennzeichen unterwegs waren. Das Land ist auch ein sicheres Land. Wenn es Streit gibt, so lodert er wie Feuer auf, legt sich dann aber schnell wieder.“

Über 35.000 Fleischtüten verteilt

Die beiden waren dort im Auftrag der Hilfsorganisation Time to Help. Die Hilfsorganisation, die 2006 gegründet wurde und ihre Deutschlandzentrale in Offenbach am Main hat, gehört zum Umfeld der Hizmet-Bewegung. Die Hilfsorganisation betreibt Projekte in den meisten Ländern Afrikas südlich der Sahara. Diese reichen von Not- und Katastrophenhilfen zu Kurban-Kampagnen, von Katarakt-Operationen zu Sauberes-Wasser-Projekten, von Waisen- und Bildungsprojekten zu Spendenprojekten.

Die beiden haben im Auftrag der Hilfsorganisation 20 Rinder schlachten lassen, die von 140 Spendern finanziert wurden, und das Fleisch in Tüten von je zwei bis drei Kilo verteilt. In der Region wurden auf diese Art laut ihren Angaben insgesamt 35000 Tüten verteilt. Fleisch ist für die meisten Malier ein rares und wertvolles Gut. Mehmet Can dazu: „Ich kenne es aus der Türkei. Dort wirft man die Innereien oder den Schädel des Tieres weg. In Mali aber haben sie alles verwertet. Es wurde von den Tieren überhaupt nichts weggeworfen. Eine Frau sagte mir sogar, dass man mit dem Schädel zwei Wochen lang Suppe kochen könne.“

Was wir in Mali gelernt haben

Diese Erfahrung, zu helfen, mache auch einen selber glücklich, meinen beide übereinstimmend. Bernd Schöneberg erzählt: „Zu geben ohne etwas zu nehmen oder zu erwarten ist schon eine sehr wertvolle Erfahrung. Sie freuten sich. Das ist eine Erfahrung, die mein Herz jünger gemacht hat.“

Und was haben sie dort gelernt? Was nehmen sie von dort nach Hause mit? Was sie dort gelernt haben, fasst Bernd Schöneberg so zusammen: „Die Wirkung bei mir war: Ich war zufrieden mit dem, was ich habe. Ich brauche nicht mehr. Sie haben nicht viel gehabt. Aber sie waren sehr gastfreundlich. Wenn wir eingeladen waren, haben sie alle mit uns geteilt. Das hat mein Herz bewegt. Auch miteinander haben sie viel geteilt. Eine Familie hatte einen Röhrenfernseher, die halbe Straße saß dann da und hat zusammen Fernsehen geschaut.“

Bernd möchte im nächsten Jahr wieder nach Mali fliegen, falls sich die Gelegenheit ergibt. Bei solchen Reisen gäbe man etwas ab, nehme aber auch sehr wertvolle Lebenserfahrung mit.

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