Hunderte Personen in der Schweiz von türkischer Drohung betroffen

Die türkische Gemeinschaft in der Schweiz ist seit dem Putsch in Aufruhr: Vor dem türkischen Konsulat in Zürich demonstrieren Anhänger von Präsident Erdogan. (16. Juli 2016) Bild: Keystone

Die Warnung der türkischen Botschaft an ihrer Pressekonferenz in Bern war nicht zu überhören: Die Türkei will auch in der Schweiz gegen Anhänger des Predigers Fethullah Gülen vorgehen. Gülen, der in den USA im Exil lebt, ist der grosse Gegenspieler von Präsident Erdogan. Die türkische Regierung macht ihn für den Putsch verantwortlich und bezeichnet seine Anhänger als Terroristen.

In der Schweiz hat die Gülen-Bewegung diverse Ableger. Einer ist das «Institut für interkulturelle Zusammenarbeit und Dialog» in Zürich. Dessen Geschäftsführer R. Özgü hat die Pressekonferenz in den Medien live mitverfolgt. Zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagt er danach, er sei sehr besorgt.

Persönlich habe er nach den Aussagen an der Pressekonferenz der türkischen Botschaft keine Angst. Er selber sei Schweizer Bürger, aber viele andere Menschen in der Schweiz, die der Gülen-Bewegung nahestehen würden, könnten Probleme bekommen. Die Aussage der türkischen Diplomaten sei nicht bloss eine Drohung.

Schweiz soll vermitteln

Laut Özgü ist unklar, was die türkische Regierung unter Gülen-Anhängern versteht. Rechne sie nur Kaderpersonal in Gülen-Organisationen dazu, seien in der Schweiz ein gutes Dutzend Personen im Visier. Seien auch gewöhnliche Mitarbeiter und Sympathisanten mitgemeint, komme man schnell auf weit über tausend Personen. «Wir hatten kürzlich eine Veranstaltung im Zürcher Kongresshaus mit über tausend Teilnehmern. Die meisten waren aus der Schweiz.»

Der Institutsleiter erwartet, dass die Schweiz zwischen den Konfliktparteien vermittelt und so verhindert, dass die innertürkischen Spannungen auf das Land übergreifen.

Bis zu einem gewissen Grad ist dies allerdings bereits geschehen. Seit dem Putschversuch ist es vor allem im Internet zu wüsten Beschimpfungen unter hiesigen Türken gekommen. Gegen eine Zürcher Privatschule, die ebenfalls zum Gülen-Netzwerk gehört, wurden Drohungen ausgesprochen.

Türken in der Schweiz wenden sich ab

Özgü sagt, dass die Spannungen, aber auch die Verunsicherung in der türkischen Gemeinschaft in den letzten Tagen nochmals zugenommen haben. Viele der hiesigen Türken seien jedoch schon auf Distanz zur Gülen-Bewegung gegangen, seit sich Erdogan im Jahr 2013 mit seinem einstigen Verbündeten Gülen überworfen hatte.

Dem Insitutsleiter zufolge erhält keiner der Gülen-Ableger in der Schweiz, die vor allem im Bildungsbereich tätig sind, Unterstützung aus dem Ausland. Sie finanzierten sich durch Spenden in der Schweiz. Das Misstrauen in der türkischen Gemeinschaft habe deshalb für viele Einrichtungen spürbare Konsequenzen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/hunderte-personen-in-der-schweiz-von-tuerkischer-drohung-betroffen/story/10153699

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